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Selbst Allerweltskrankheiten, wie etwa eine Blinddarm- entzündung, endeten früher im australischen Outback oft tödlich. Heute aber stellt der 1928 von dem presbyterianischen Geistlichen John Flynn ins Leben gerufene Royal Flying Doctor Service (RFDS) die medizinische (Not-)Versorgung der Menschen im weiten Outback sicher. Das Motto des RFDS: “Wenn Kranke nicht mehr zum Arzt gehen können, muss dieser eben zu ihnen kommen”. Um rasch Hilfe herbeirufen zu können, wurde ein einzigartiges Funknetz aufgebaut. In den Funkzentralen des RFDS gibt es festgelegte “Sprechstunden”, dann werden Anrufe oder Funksprüche an ein nahegelegenes Krankenhaus weitergeleitet, wo ein dienst-habender Arzt aufgrund der genannten Symptome Ferndiagnosen stellt und dem Patienten Selbsttherapie-Hinweise gibt oder dessen Krankentransport per Flugzeug anordnet.
Eine Telefonleitung, sowie eine Funkfrequenz werden stets für Notfälle freigehalten. Bei solchen Noteinsätzen dauert es nur wenige Minuten, bis ein Sanitätsflug mit Arzt und Kranken- schwester an Bord abhebt. Jedes RFDS-Flugzeug ist eine Art fliegende Miniintensivstation. Mit Ausnahme größerer chirurgischer Eingriffe ist ein Arzt hier für alle denkbaren Notfälle eingerichtet. Bereits während des Fluges gibt der Arzt Erste-Hilfe-Anweisungen an die Helfer vor Ort. Während des Rückfluges steht der Arzt in ständigen Kontakt mit einem Krankenhaus und erteilt Anweisungen für die Notaufnahme.
Zu den häufigsten Noteinsätzen gehören Motorrad- und Auto- unfälle, Schlangenbisse sowie Arbeitsunfälle aller Art. Jede an das RFDS-Funknetz angeschlossene Farm verfügt über eine gutbestückte Hausapotheke, in der jedes der rund 100 Medi- kamente mit einer Nummer versehen ist. Der Arzt teilt dem Patienten über Telefon oder Funk mit, welches Medikament er wie einzunehmen hat. Ein todsicheres System - sollte man meinen.
Doch es gibt auch skurrile Begebenheiten: Ein älterer Bushie hatte vom Arzt die telefonische Anweisung bekommen, vom Präparat Nummer 88 täglich eine Tablette einzunehmen. Einige Tage später erkundigte sich der Arzt nach dem Be- finden des Patienten, worauf ihm dieser mitteilte: “Also Doc, ich hatte da ein kleines Problem. Die verdammte Nummer 88 war mir ausgegangen. Da habe ich eben statt einmal am Tag eine Pille von der verdammten Nummer 88 zu schlucken, zweimal eine von der verfluchten Nummer 44 eingenommen. Aber Doc, glauben Sie mir, mir geht`s großartig heute!”
Neben Krankentransporten in größere Kliniken gehören auch regelmäßige Visiten in kleinen Buschhospitälern zur Routine des RFDS. Doch damit sind die Aufgaben der Ärzte und Krankenschwestern noch lange nicht erschöpft. Im Outback sind diese Menschen “Mädchen für alles”, es gibt keine Spezialgebiete.
“Morgens Hebamme, mittags Notarzt für einen Stockman, nachmittags Veterinär für ein Pferd mit tiefen Fleischwunden und abends Psychotherapeut für einen einsamen Bushie!”
Als größter Luftrettungsdienst der Welt deckt der RFDS mit 21 Stützpunkten in ganz Australien ein Gebiet von über 5 Mio. qkm ab. Heute, 2009, betreut der RFDS mit 51 Flugzeugen, 22 Millionen geflogenen Kilometern und 705 Angestellten etwa 250.000 Patienten, das sind 685 Hilfeleistungen pro Tag - Erste- Hilfe-Anweisungen per Funk eingeschlossen. Obwohl ein Not- einsatz oft Tausende von Dollar teuer sein kann, sind die Leistungen des RFDS generell kostenlos. Finanziert wird diese Organisation in erster Linie durch Beiträge und Spenden ihrer Mitglieder sowie durch staatliche Zuschüsse.
Der Royal Flying Doctor Service - eine unersetzliche und nicht mehr wegzudenkende Einrichtung !!
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