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Von den 20-Dollar-Scheinen, die 1994 in Australien in Umlauf kamen, blickt ein Mann ernst und forschend in die Ferne. Im Hintergrund ist er als Reiter auf einem Dromedar zu sehen. Zu Lebzeiten war dieser Mann als „Flynn of the Inland" bekannt: John Flynn, Reverend und Missionar der Presbyterianischen Kirche und ihrer Australian Inland Mission. Aber am bekanntesten machten ihn seine Verdienste um die medizinische Versorgung der isoliert im Outback lebenden Landsleute.
John Flynn wurde 1880 in der Nähe von Bendigo (Victoria) geboren. Seine Mutter starb, als er drei Jahre alt war, so dass er zunächst von seiner Tante und dann von seinem strengen Vater alleine aufgezogen wurde. Schon früh setzte er sich in den Kopf, Pfarrer zu werden. Nachdem er bereits Erfahrungen als Laien- prediger gesammelt hatte, begann er in Melbourne am Ormond College, einem Institut der Universität Melbourne, Theologie zu studieren. Er erinnerte sich an die Einsamkeit des Outbacks und schrieb eine Broschüre „The Bushman’s Companion“, in der Informationen zu Erster Hilfe, Postdienst oder der korrekten Durchführung einer Beerdigung aufgeführt waren.
Am 24. Januar 1911 wurde er von der Presbyterian Church zum Priester geweiht. Seine erste Stelle trat er in Beltana im Norden von Südaustralien an, damals eine winzige Siedlung 500 km nördlich von Adelaide. Als er 1912 von der Missionsleitung seiner Kirche beauftragt wurde, einen Bericht über die Lebens- bedingungen und religiösen Bedürfnisse der Bewohner des Northern Territory zu schreiben, packte er die Gelegenheit beim Schopf. Er reiste nach Katherine, Bathurst Island und Adelaide River, um die Menschen zu befragen. Die Kirchenleitung war von seiner Arbeit so sehr begeistert, dass sie ihn bei der Gründung der Australian Inland Mission (AIM) unterstützten. Da ihm neben der geistlichen Arbeit vor allem der Bedarf an medizinischer Ver- sorgung im Outback groß erschien, wurden insgesamt fünfzehn Buschkrankenhäuser errichtet, damit mehr Ärzte den Einwohnern des 2 Mio. km² großen Outbacks Hilfe leisten konnten. Er wollte erreichen, dass der Busch sicher genug würde, dass Männer heiraten und ihre Familien dort aufziehen würden. Doch die Ent- fernungen waren immer noch zu groß. Er brauchte vor allem zwei Dinge, Kommunikations- und Transportmittel. Vielleicht könnte man dann die Hilfe dorthin fliegen, wo sie gebraucht wurde. Über diese Idee erschienen Artikel in einigen Zeitungen des Landes, und er begann, sie in seinem Magazin „The Inlander“, welches er seit 1913 herausgab, aufzugreifen.
Etwa 1917 erhielt er einen Brief eines australischen Piloten im Ersten Weltkrieg, Clifford Peel, der von seinen Überlegungen gehört hatte und ihm die Möglichkeiten und Kosten damals er- hältlicher Flugzeuge aufzeigte. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Australien sowohl Flugzeuge als auch Piloten in ausreichen- der Menge, nur die Kommunikation schien noch schwierig zu sein. Trotzdem begann Flynn z. B. durch Veröffentlichungen in Kirchen- zeitungen Spenden für sein Projekt zu sammeln.
In den 1920er Jahren war das Funkgerät noch eine Neuheit und nicht Bestandteil des täglichen Lebens, doch Flynn sah sein Potenzial. Er traf Alfred Traeger, einen Elektroingenieur, der mit dem Funkgerät experimentierte. Nach vielen Fehlversuchen und Experimenten stellte Traeger ein so genanntes Tret-Funkgerät her. Ein Benutzer konnte die Pedale treten und hatte die Hände frei für die Morsezeichen auf den Wählscheiben. Am 20. Juni 1929 wurde die erste offizielle Nachricht von Augustus Downs nach Nord- Queensland übermittelt. Die Kosten für dieses Tretfunkgerät be- trugen 65 $, und Flynn sah seine Vision Gestalt annehmen. 1937 war der Morseschreiber Geschichte, es kam das Telefon auf. 1939 brachte Traeger ein Modell heraus, das ganz auf Pedale verzichtete. Er benutzte eine Vibratoren-Einheit. Notrufsysteme verbanden Außenstationen mit dem Krankenhaus zu jeder Tages- und Nachtzeit.
John Flynn starb am 5. Mai 1951 im Prince Alfred Krankenhaus in Sydney an Krebs. Seine Beerdigungszeremonie wurde auf dem Netzwerk der Fliegenden Ärzte ausgestrahlt und in die entlegensten Siedlungen und Stationen des Outbacks übertragen. Heute erinnern in ganz Australien die verschiedensten Gedenkstätten an Flynn. Die John Flynn Gedächtniskirche in Alice Springs wurde am 5. Mai 1956, fünf Jahre nach Flynn’s Tod eröffnet.
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